Monatsspruch September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

2.Korinther 5,19

 Mich haben in diesem Jahr die Gräberfelder in Nordfrankreich sehr betroffen gemacht. Und ich war sehr froh über die Begegnung mit Franzosen, die mich nicht durch die dunkle Brille der Geschichte gesehen haben, sondern für die Versöhnung längst statt gefunden hat.

Ich bin mir ziemlich sicher: Versöhnt zu leben, ist eine tiefe Sehnsucht von Menschen. Da geht es gar nicht nur um einen beigelegten Streit zwischen 2 Leuten oder 2 Staaten. So mancher spürt eine tiefe Erleicherterung, wenn er sich mit seiner eigenen Geschichte ausgesöhnt hat.
Unversöhnt zu sein heißt, im Widerspruch zu leben. Und auch wenn das auf Dauer anstrengend und krankmachend ist, – es ist es eigentlich der Normalfall in dieser Welt. Leider. Aber so kommt unsere Seele nie zur Ruhe. Unversöhnlichkeit macht einsam. Sie trennt uns von anderen Menschen, manchmal sogar von unserer eigenen Lebensgeschichte.

Wie geschieht nun Versöhnung? In jedem Fall nie durch Zufall oder durch Vergessen. Unversöhnlichkeit wird nicht durch die Zeit geheilt. Nötig ist jemand, der die Initiative ergreift. Der auf den Anderen zugeht. Nicht um ihn mit Argumenten zu schlagen, sondern um Trennendes aus dem Weg zu räumen.
Versöhnung heißt, wir gehören zueinander. Trotz aller Verschiedenheit. Und wir wollen beieinander bleiben.

Warum ist das oft so schwer? Vielleicht weil wir gern auf unserem Recht und unserer Weltsicht beharren. Und weil wir möchten, dass der Andere es genauso sieht wie wir. Zumindest scheint diese Rechthabei einer der Hauptgründe für Unversöhnlichkeit in Ehen und Familien und in Gemeinden und auch in unserer Gesellschaft zu sein.

Gott zeigt, wie Versöhnung geht: Er ergreift die Initiative. Er kommt zu uns Menschen, nicht um auf sein Recht zu pochen, sondern um uns seine Liebe zu zeigen. Jesus hat unter dem Einsatz seines Lebens gezeigt, dass Gott nicht ohne uns sein will. Wir gehören zu ihm. Und er tut alles, um das Trennende zwischen uns und ihm aus der Welt zu schaffen. Und er macht die leidvolle Erfahrung, dass sein Versöhnungshandeln ausgeschlagen und ignoriert wird.

Versöhnung lässt sich nie erzwingen. Aber sie bleibt Gottes Angebot an dich und mich.