Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9

 

Unsre Augen sind das Überdruckventil der Seele. Meist ist es die Trauer, die uns zum Weinen bringt; manchmal aber auch die Freude oder etwas, was tief in uns eine Sehnsucht berührt.

Solche Tränen sind sogar in ihrer chemischen Zusammensetzung anders als bei Zwiebelschneiden oder im scharfen Gegenwind. Tränen der Seele sind immer ein Zeichen von emotionaler Überforderung.

Und auch wenn wir das oft nicht zugeben: In solchen Momenten wünscht man sich einen verständnisvollen, liebevollen Menschen. Jemand, der einfach da ist. Ohne kluge Sprüche oder gar spöttische Blicke. Denn einem Menschen, der sich über meine Schwachheit lustig macht, werde ich meine Tränen nie mehr zeigen.

Vielleicht ist das ein Grund, warum Männer angeblich nicht weinen.

Dabei ist es so wichtig, dass wir in unserer Seele berührbar bleiben und auch zugeben können: Die Welt mit allen furchtbar schrecklichen Geschehnissen und auch mit all den unglaublich schönen Dingen ist manchmal einfach zu viel, als dass wir es einfach verarbeiten könnten. Und wenn wir die Dinge nicht verdrängen wollen, bringen sie eben unser Fass zum Überlaufen.


Gerade in diesem Jahr sind wir mit einem Virus konfrontiert worden, was uns zu groß ist, gerade weil es so klein und unsichtbar ist. Regierungen bemühen sich, Herr der Lage zu werden. Doch das geschieht oft sehr schmerzlich und auch sehr ungenügend. Und auch Ohnmacht kann Tränen und auch Wut hervorbringen.


Generationen vor uns hatten da in den weit größeren Katastrophen vergangener Jahrhunderte etwas, was uns heute verloren gegangen ist. Sie wussten: Selbst wenn mir die Kontrolle entgleitet, hat Gott die Dinge in seiner Hand. Auch wenn ich mich verlassen fühle, ist Gott an meiner Seite. Auch wenn ich keine Antworten habe, kennt Gott meine Fragen und führt mich zu einem guten Ziel.
Und das muss nicht nur die Erfahrung vergangener Zeiten sein. Gott lädt dich heute genauso ein.